Warum Theater spielen?

Jenseits von Angebot und Nachfrage muss eine Gesellschaft soziale Verantwortung übernehmen. Dies bedeutet auch, die heranwachsenden Generationen sorgfältig und umfassend auf die Bedingungen des künftigen Lebens vorzubereiten. Nicht jedes Kind muss ein Mathematikgenie oder ein Schriftsteller werden, aber jedes Kind hat ein Recht auf mathematische und sprachliche Förderung und auf die Entwicklung kreativer Fähigkeiten. Sie sind die Basis intellektueller und ganzheitlicher persönlicher Entwicklung, die es dem Kind ermöglicht, Wissen über die Welt aufzubauen und mit der eigenen Erfahrungswelt zu verbinden.

 

Über das Theater spielen können diese kreativen Fähigkeiten entwickelt werden. Theater spielen bedeutet, mit ungewöhnlichen Mitteln, seine Fähigkeiten zu entdecken, soziale Kompetenz und Selbstbewusstsein zu entwickeln. Für Kinder, deren Schulweg erst beginnt, ist dies eine geeignete Form des Lernens. Denn wer Theater spielt, geht auf Entdeckungsreise, überschreitet seine Hemmschwellen und stärkt seine Kommunikationsfähigkeit. Im Spiel werden innovative Lösungswege gefunden. Das Lernen wird zu einem schönen Erlebnis und das soziale Miteinander zur Basis des Handelns.

 

Der Mensch spielt nur da, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ Mit dieser Erkenntnis hat der Dichter Friedrich Schiller schon 1795 etwas Entscheidendes über die Bedeutung des Spiels für den Menschen ausgesagt. Die Bindung an die Realität macht uns sorgenvoll und furchtsam, das Spiel der Erkenntniskräfte macht uns frei. Die Leichtigkeit des Spiels kommt nicht zum Ernst des Lebens hinzu, sondern sie macht das Leben für den Menschen erst lebbar.

 

In Ingrid Marschangs Konzept der theaterpädagogischen Förderung treffen drei Disziplinen aufeinander: Rechnen, Sprechen und Theaterspielen. Das Theaterspielen schafft den Zugang zu diesen abstrakten Räumen, in denen Kinder und Jugendliche oft an ihre Grenzen stoßen. Zahlen und Wörter werden im Spiel erlernt und als sinnlich erlebt. Die Welt der Mathematik wird dabei zum aufregenden Spielfeld, in welchem das Kind als Entdecker unterwegs ist. Die Zahlen werden zu „Verbündeten“ bei der Problemlösung und das Erzählen stiftet neue Sinnzusammenhänge.

 

Es geht nicht darum, Inhalte und Methoden aus dem Mathematikunterricht in die Intensivförderung zu übertragen, sondern die abstrakte und symbolische Welt der Zahlen sinnlich erfahrbar zu machen. Die Zahlen sollen sich den Kindern praktisch und konkret darbieten. Die Darstellung mathematischer Zusammenhänge orientiert sich dabei an den eigenen Fragestellungen und der Erfahrungswelt der Kinder.